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(Blumen auf Kreta)

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Ausflüge mit dem Auto – Sougia: Zum Hochdorf Koustogerako

Koustogerako ist (zusammen mit Livadas und Moni) ein hoch in den Bergen gelegenes Dorf. Die drei Gemeinden hatten sich im 2. Weltkrieg zusammengeschlossen und sich gegenseitig unterstützt. Dieser Geist ist dort noch heute deutlich spürbar.
Wanderwillige und .-lustige können diese ca 10 km lange Tour (einfach) auch prima zu Fuss unternehmen, denn die Strasse führt durch eine reizvolle Landschaft mit herrlich weitem Blick über die umliegenden Berge Südkretas. Die zwar asphaltierte Strasse ist nur sehr wenig befahren, sodass man von den Autos kaum gestört werden dürfte.
Der Weg von Sougia nach Koustogerako ist zunächst derselbe wie zum Ausflugslokal „Oasis“. Wir fahren also aus Sougia Blick auf Livadasheraus, entlang der einzigen Strasse und nach ca 2 km biegen wir rechts ab. Dieser Weg führt über das ausgetrocknete Flussbett des Tiflos hinüber. An der folgenden Weggabelung biegen wir nach rechts Richtung Livadas/Koustogerako ab (nicht links zum Schluchtenausgang oder Oasis-Restaurant). Eine kurvenreiche, oft mit Serpentinen gespickte Strasse, führt uns in ca 1/2 Stunde Fahrt hinauf nach Koustogerako. Schnell schrauben wir uns in engen Kurven immer höher und die gegenüberliegende Bergseite (an der die Strasse nach Sougia erkennbar ist) scheint ebenso schnell zu schrumpfen wie wir aufsteigen. Ein Blick wie aus der  Flugzeugperspektive, jedoch aus dem Auto heraus (oder zu Fuss) geschaut. Vereinzelte Walnussbäume säumen hier und da unseren Weg, bis wir auf halber Strecke das kleine Bergdorf Livadas erreichen. Wir fahren weiter nach Koustogerako.

Denkmal der Verbundenheit im WiderstandEine modern anmutende Skulptur befindet sich kurz vorm Ende unserer Tour. Erbaut 1986/87 vom Architekten Ioannis Siradakis (geb. in Chania, Kreta) und dem Bildhauer Evangellos Psilakis (geb. in Melampes, Kreta). Beide leben heute in Zürich, wobei Ioanni Siradakis auf Korfu tätig ist und Evangellos Psilakis in Melampes (Region Rethymnon) sein Atelier betreibt.

Das Monument bezeugt den Zusammenhalt der drei Dörfer (Koustogerako, Livadas und das gegenüberliegende Moni) während des zweiten Weltkrieges. Jede Tafel des gleichschenkligen Dreiecks steht für eines der Dörfer. Die nach oben hin pyramidenartig auslaufenden Spitzen sammeln sich in einem Punkt. Der auf jeder Tafel in Schlangenlinien (senkrecht durch drei unterschiedliche Steinschichten) verlaufende weiße Marmorpfeil symbolisiert das Rückgrad des Menschen. Die auf jeder Tafel unterschiedlichen Symbole (auf den Steinen der mittleren Steinschicht eingraviert), wurden von jedem der drei Dörfer individuell ausgewählt. Über die Bedeutung/Deutung dieser Skulptur mag sich ein jeder seine eigenen Gedanken machen. Daran angeschlossen ist ein kleines Freilicht-Theater, sowie eine weitere Tafel mit den Namen der damaligen Opfer.
Koustogerakos, DorfplatzDer Zweite Weltkrieg hatte hier oben in den Bergen viele Opfer gefordert. Jeden 29. September wurde an der Stelle der Skulptur ein Gedenkfest gefeiert. Damals hatten die Deutschen Soldaten den Auftrag, die drei in der Skulptur genannten Dörfer zu verbrennen und stießen natürlich auf den erbitterten Widerstand der Bergbewohner. Auf dem Dorfplatz von Koustogerako, gegenüber des Denkmals, erfahre ich in einem Gespräch mit Vangelis und Stamatis mehr über die damalige Zeit und ihre Widerstandskämpfer:
Mir wird berichtet, dass Frauen und Kinder im September 1943 in ein Haus eingeschlossen wurden, weil sie verbrannt werden sollten, doch konnten bis auf 4 unglückliche Personen alle anderen diesem grausamen Tod entkommen. Eine 90-jährige alte Frau wurde in ihrem eigenen Garten bei lebendigem Leib verbrannt, ohne dass ihr geholfen werden konnte. 30 Deutsche wurden ebenfalls getötet. Der deutsche Hauptkommandant ist den Menschen hier noch heute in Erinnerung mit Namen „Chans“ (Hans). Weil jener fließend griechisch sprechen konnte, genoss er zunächst das Vertrauen der Bewohner. Heute vermutet man, dass Hans zu der Geheimpolizei Hitlers gehörte und nur die Lage ausspionieren sollte. Viele Tote sind aufgrund seiner Aktivitäten in dieser Gegend zu beklagen.
Als die Kreter ihn enttarnt hatten und ihn daraufhin jagten, gelang dem Kommandanten Hans die Flucht, indem er einen kretischen Landsmann zwang, dessen Kleider mit seiner Uniform zu tauschen. So verfolgteStamatis aus Koustogerakos man den Falschen und erschoss den Ärmsten, während der deutsche Kommandant auf einem Esel reitend und in falschen Kleidern sich davon machen konnte. Später wurde er dann doch gestellt und hingerichtet.
Die kretischen Anführer aus Selino (so heißt dieser Bezirk um Sougia herum) fanden auf ihrer Flucht vor den Nazis Exil in Kairo, wohin sie auf abenteuerlichen Wegen in kleinen und größeren Schiffen gelangten. Hierhin brachten sie auch ihre deutschen Kriegsgefangenen. Schließlich kam es zu einem Vertrag zwischen den Nationalsozialisten und den Kretern und das Töten hörte auf. In den Bergen von Koustogerakos gibt es ein 70 m tiefes Loch, wo hinein deutsche Kriegsgefangene gestoßen wurden und starben. Die Gebeine siVangelis aus Koustogerakosnd später nach dem Krieg geborgen worden.

All dies erfuhr ich in einem Gespräch mit Vangeli und Stamatis, als ich das Dorf Koustogerakos besuchte. Wir saßen friedlich am Rande des Dorfplatzes unter einem alten Maulbeerbaum und ich fragte mich, wie kann das angehen? Keine 70 Jahre ist das her, und doch hat sich wieder eine Freundschaft zwischen Deutschen und Kretern entwickeln können.

  • Lesen Sie hier vom Fliegergeneral Brauer (einer der damals Verantwortlichen) auf Wikipedia weiteres über die Geschehnisse 1943 in Koustogerakos
  • und bitte lesen Sie die Diskussion im Kretaforum weiter, denn dieser Link berichtet von dem Geschehen aus einer anderen Perspektive.
  • Dieser Link beschreibt auf anschauliche Weise die Entführung des deutschen Generals Kreipe (durch ein British-Kretisches Kommando), allerdings ohne Quellenangabe
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